
Jedes Jahr gehen im Weissen Haus Tausende von Gnadengesuchen ein, doch nur ein kleiner Teil davon wird bewilligt. Vor diesem Hintergrund hat der Fall Bankman-Fried aufgrund des Ausmasses der Verluste der FTX-Anleger besondere Aufmerksamkeit in der internationalen Krypto-Community auf sich gezogen. Das Gericht befand ihn in sieben Anklagepunkten für schuldig.
Der ehemalige Geschäftsführer der Kryptowährungsbörse FTX, Sam Bankman-Fried (SBF), der wegen eines der grössten Finanzskandale in der Geschichte der Kryptowährungen zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, hat sich offiziell an US-Präsident Donald Trump gewandt und um eine Begnadigung gebeten. Sein Gesuch wurde bereits bei der Begnadigungsstelle des US-Justizdepartements registriert und hat den Status «in Bearbeitung» (pending).
«Das Gesetz muss für alle gleich gelten», erklärte Donald Trump wiederholt in Bezug auf das Begnadigungsrecht des Präsidenten. Gleichzeitig teilte er den Journalisten bereits Anfang 2026 mit, dass er nicht vorhabe, den ehemaligen FTX-Chef zu begnadigen. Auch andere US-Politiker äusserten sich zu diesem Fall.
So betonte der ehemalige Präsident Joe Biden während der Ermittlungen die Notwendigkeit, die Verantwortlichen für Finanzbetrug zur Rechenschaft zu ziehen. Senatorin Elizabeth Warren forderte nach dem Zusammenbruch von FTX eine verschärfte Kontrolle des Kryptomarktes. Der Vorsitzende der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, Gary Gensler, wies auf zahlreiche Verstösse gegen die Gesetze zum Anlegerschutz hin. Senator Bernie Moreno sprach sich bereits nach Einreichung des Gnadengesuchs gegen jegliche Strafmilderung für SBF aus.
Die Ermittlungen ergaben, dass FTX Kundengelder zur Deckung risikoreicher Transaktionen des verbundenen Fonds Alameda Research verwendet hatte. Nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft handelte es sich dabei um Kundengelder in Milliardenhöhe. Im März 2024 verurteilte ein Bundesgericht Bankman-Fried zu 25 Jahren Haft. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von rund 11'000'000'000 Dollar an.
Gerade die unberechtigte Verwendung von Kundeneinlagen war der Hauptgrund für die Zahlungsunfähigkeit von FTX. Als die Nutzer im November 2022 massenhaft begannen, Gelder abzuheben, konnte die Börse ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. In der Folge meldete das Unternehmen Konkurs an, und der Kryptomarkt erlebte einen der schwersten Schocks seiner gesamten Geschichte.
Trotz der hohen Wahrscheinlichkeit, dass die US-Bundesbehörden den Gnadengesuch prüfen werden, bedeutet die Tatsache der Prüfung an sich noch keine positive Entscheidung, und die Chancen für Bankman-Fried bleiben sehr gering.
Selbst wenn sein Gesuch geprüft wird, setzt die Einreichung des Antrags weder das Urteil ausser Kraft, noch hebt sie die Einziehung des Vermögens auf, noch führt sie automatisch zu einer Entlassung aus dem Gefängnis, noch stoppt sie die Verfahren zur Entschädigung der Gläubiger. Bis zu einer gesonderten Entscheidung des Präsidenten bleibt er ein verurteilter Bundesverbrecher.
Die Geschichte von FTX ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie moderner Finanzbetrug Kryptowährungen, politischen Einfluss, internationale Finanzströme und Lücken in der Unternehmenskontrolle miteinander verbindet.
Die US-Aufsichtsbehörden bezeichnen den Fall Bankman-Fried als Teil eines umfassenderen Kampfes gegen Finanzkriminalität des 21. Jahrhunderts – von einfachen Unterschlagungsmaschen bis hin zu komplexen internationalen Konstrukten unter Einsatz digitaler Vermögenswerte. Genau deshalb wird die Entscheidung über eine mögliche Begnadigung von SBF nicht nur für eine einzelne Person von Bedeutung sein, sondern auch für das Vertrauen in das gesamte Rechtssystem und den globalen Kryptomarkt.