
Donald Trump hat Kryptowährungen von einem Wahlversprechen zu einem gross angelegten Familienunternehmen gemacht. Nach Schätzungen von Reuters erzielten mit dem Präsidenten verbundene Strukturen zwischen den Wahlen 2024 und April 2026 rund 2'3'000'000'000 Dollar Vorsteuergewinn aus verschiedenen Krypto-Geschäften. Parallel dazu schätzt Public Citizen die Verluste der Käufer von fünf mit Trump verbundenen Krypto-Produkten auf mindestens 4'7'000'000'000 Dollar. Allerdings muss ein wichtiges rechtliches Detail hervorgehoben werden: Ein grosser Teil dieser Verluste ist «auf dem Papier», d. h. unrealisiert, und nicht im wörtlichen Sinne Geld, das von den Konten der Investoren verschwunden ist.
$TRUMP, WLFI und Milliarden auf der Seite der Familie
Den grössten Schlag musste der Meme-Coin $TRUMP hinnehmen. Public Citizen schätzt den Gesamtwertverlust der Positionen von Privatanlegern auf etwa 3'2'000'000'000 Dollar. Mindestens weitere 1'000'000'000 Dollar entfallen auf den WLFI-Token, rund 450'000'000 Dollar auf den Kursverfall der Trump-Media-Aktien nach der Einrichtung ihrer Kryptowährungs-Kasse, und die Verluste der Inhaber von Trump-NFTs werden auf mindestens 9'300'000 Dollar geschätzt. Der USD1 verursachte in dieser Berechnung keinen vergleichbaren Verlust für die Inhaber, da es sich um einen an den Dollar gebundenen Stablecoin handelt.
Gleichzeitig wies Trumps Finanzbericht für das Jahr 2025 einen Gewinn von über 1'400'000'000 Dollar aus, wobei ein erheblicher Teil davon gerade mit dem Krypto-Geschäft zusammenhing. Reuters schätzt die gesamten Krypto-Einnahmen der Familie nach den Wahlen auf 2'3'000'000'000 Dollar. Die Familie erzielt Einnahmen aus dem Verkauf von Tokens, Lizenzgebühren, Anteilen und Provisionen, während der Käufer das Risiko eines Kursverfalls des Vermögenswerts trägt.
VAE: 500'000'000 Dollar für eine Beteiligung und 2'000'000'000 Dollar über USD1
Die interessanteste Geschichte, in der rechtliche und politische Aspekte eng miteinander verflochten sind, beginnt in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine mit Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nagayan verbundene Struktur erklärte sich bereit, 49 % von World Liberty Financial für rund 500'000'000 $ zu erwerben. Später nutzte der von Abu Dhabi kontrollierte Fonds MGX 2'000'000'000 $ im Stablecoin USD1 für eine Investition in Binance. Die 2'000'000'000 Dollar selbst stellten keinen direkten Gewinn für World Liberty dar, da der wirtschaftliche Effekt insbesondere in der Möglichkeit bestand, die USD1-Reserven zu verwalten und Gewinne aus deren Anlage zu erzielen.
Das Unternehmen des Präsidenten erhält den Status einer Bank
Im August 2026 erteilte das Office of the Comptroller of the Currency eine vorläufige Genehmigung für die Gründung der World Liberty Trust Company. Es handelt sich dabei nicht um eine gewöhnliche Geschäftsbank: Die Struktur erhält zwar nicht das Recht, traditionelle Einlagen entgegenzunehmen oder Kredite zu vergeben, kann aber mit USD1, Reserven und digitalen Vermögenswerten arbeiten. USD1 wies zu diesem Zeitpunkt eine Marktkapitalisierung von rund 4'000'000'000 Dollar auf.
Genau hier erreicht Trumps Krypto-Geschäft eine neue Ebene. Private Token, ausländisches Kapital, Finanzaufsicht und politische Macht sind in einem Konstrukt vereint.
Verstösst dies gegen das Gesetz?
Nein. Der US-Präsident unterliegt nicht den üblichen Bundesvorschriften zu Interessenkonflikten, die für viele andere Amtsträger gelten. Darüber hinaus gibt es die «Foreign Emoluments Clause» der US-Verfassung, die es Amtsträgern untersagt, ohne Zustimmung des Kongresses Geschenke, Vergütungen oder andere Vorteile von ausländischen Staaten anzunehmen, und die einen eigenen Bereich rechtlicher Fragen hinsichtlich Vorteilen von ausländischen Staaten schafft; doch das blosse Vorhandensein einer ausländischen kommerziellen Investition beweist noch keinen Verstoss gegen diese Vorschrift.
Das Office of Government Ethics bestätigt: Der Präsident und der Vizepräsident fallen nicht unter die grundlegenden strafrechtlichen Bestimmungen zu finanziellen Interessenkonflikten gemäss 18 U.S.C. §§ 202–209, insbesondere § 208. Dies bedeutet jedoch in der Praxis nicht, dass der Präsident von allen Antikorruptionsvorschriften befreit ist. Das GAO weist ausdrücklich darauf hin, dass der Präsident und der Vizepräsident insbesondere dem Bundesverbot von Bestechung und unrechtmässigen Zuwendungen gemäss 18 U.S.C. § 201 unterliegen.
Es gibt jedoch noch einen weiteren aufschlussreichen Präzedenzfall: Binance, das im Rahmen einer gross angelegten Untersuchung des US-Justizdepartements wegen Transaktionen in Höhe von 1'000'000 USD ins Rampenlicht gerückt war. Die Börse bekannte sich 2023 schuldig im Zusammenhang mit Bundesanklagen wegen Verstössen gegen die US-Geldwäschereigesetzgebung und stimmte Bussen in Höhe von über 4'3'000'000'000 Dollar zu, während ihr Gründer Changpeng Zhao sich schuldig bekannte, gegen die AML-Vorschriften verstossen zu haben.
Welche Risiken bestehen derzeit?
Das Hauptrisiko des Krypto-Imperiums von Trump ist heute systemischer Natur. Dies ist der Fall, wenn der Präsident gleichzeitig Einfluss auf die Regeln des Kryptomarktes nimmt, Vermögenswerte besitzt, deren Wert von diesen Regeln abhängt, und Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Investoren unterhält.