
Ben fuhr zu einem alten Motel am Rande der Stadt – genau dem, in dem einst ein Mann lebte, der längst als „Selbstmörder” abgeschrieben worden war. Das Zimmer des Verstorbenen war noch nicht vermietet, und der Motelbesitzer erlaubte ihm, es zu besichtigen, da er dachte, Ben sei von einer Versicherungsgesellschaft.
Ben kannte den Fall nur oberflächlich, aber etwas in den Unterlagen beunruhigte ihn – es war zu still. So still, wie es normalerweise etwas Wichtiges verbirgt, obwohl in den Polizeiberichten alles zu glatt aussah: ein einsamer Programmierer, der Ausrüstung für das Mining von Kryptowährungen sammelte und kleine Schulden hatte.
Im Zimmer roch es nach Staub und abgestandener Luft. Der Boden knarrte, das Bett stand ohne Matratze da, die Vorhänge waren abgenommen. Ein gewöhnlicher Ort, an dem das Leben unbemerkt verschwinden kann.
Ben wollte gerade gehen, als er einen Riss unter dem Fensterbrett bemerkte. Nicht von Feuchtigkeit – von einem Schlag. Er drückte darauf, und die Platte gab nach. Darunter lag ein altes Telefon ohne SIM-Karte, eingewickelt in eine Plastiktüte.
Ben öffnete das Paket und versuchte, das Gerät einzuschalten. Das Telefon schaltete sich erst beim dritten Versuch ein, und auf dem Bildschirm erschien eine Notiz. Nur zwölf Wörter, die nichts miteinander zu tun hatten. Ben erstarrte – das kam ihm bekannt vor. Zu bekannt, um ein Zufall zu sein.
Er überprüfte seinen Fund nicht sofort. Er nahm das Telefon und versteckte es in einer Schublade seines Schreibtisches und rührte es wochenlang nicht an.
Nach dem Unfall, als die Bremsen seines Lieferwagens versagten und er eine Bushaltestelle rammte, an der sieben Menschen auf den Bus warteten, konnte er nicht mehr ruhig schlafen. Jede Kleinigkeit schmerzte ihn innerlich, und er erinnerte sich wieder an diese Worte. Er steckte sie fast mechanisch in seine Brieftasche. Das Gleichgewicht stellte sich sofort ein und der Mann fühlte sich erleichtert. Dieses Geld hatte also niemand hinterlassen, um zu fliehen oder sich Luxus zu gönnen. Sondern für die Ruhe. Für denjenigen, der es finden und nicht für sich behalten würde.
Zunächst hatte Ben vor, nur ein paar Menschen zu helfen. Aber es kam anders. Er bezahlte die Operation eines Kindes, dessen Mutter sich bereits auf das Schlimmste vorbereitet hatte. Er beglich die Schulden eines Mannes, der nach seiner Insolvenz in seinem Auto lebte. Er finanzierte anonym ein Obdachlosenheim, das wegen Geldmangels geschlossen werden sollte. Er sah, wie sich das Leben anderer Menschen veränderte, und erkannte, dass er viel mehr Menschen half, als er sich jemals hätte vorstellen können.
Bevor er seine Frau verließ, hinterließ Ben Emily einen Zugangscode. Wenn sie es versteht, ist sie bereit. Wenn nicht, dann sollte es so sein.
Manche Dinge in diesem kurzen Leben finden nur diejenigen, die nichts mehr zu verlieren haben. Und genau deshalb geben sie mehr, als sie geplant hatten. Und deshalb war die Krypto praktisch.