
John Dagita war ein ganz normaler Schüler aus einem Vorort. Das Einzige, was ihn ungewöhnlich machte, war, dass alle wussten, dass er der Sohn eines erfolgreichen IT-Unternehmers war. Sein Vater Dean leitete eine kleine Firma namens CMDSS, die mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika bei der Verwaltung beschlagnahmter Krypto-Vermögenswerte zusammenarbeitete. Für Dagita junior war dies nicht nur sein Zuhause. Es war der Einstieg in die Welt des großen Geldes, von der seine Altersgenossen nur träumen konnten.
Eines Tages erfuhr der Junge zufällig von einer Schwachstelle im System zur Verwaltung von Krypto-Assets, auf die die Firma seines Vaters Zugriff hatte. Er erkannte, dass er die Schlüssel zu den staatlichen Geldbörsen erhalten konnte, und beschloss, sein Glück zu versuchen. Zunächst handelte es sich um kleine Überweisungen, aber dann wurde John immer routinierter: Von November 2024 bis Dezember 2025 transferierte er nach und nach Millionen von Dollar auf seine privaten Adressen in der Krypto-Wallet Exodus. Die Summe stieg auf unglaubliche 90 Millionen Dollar.
John hatte nicht vor, sich zu verstecken. Er versteckte sich hinter seinem Spitznamen „Lick” in verschiedenen Chats und Hackerforen, wo er mit anderen Cyber-Enthusiasten um die Wette spielte, wer reicher ist. Einmal öffnete er während einer Live-Übertragung auf Telegram seinen Bildschirm und zeigte seine prall gefüllten Geldbörsen mit Millionen von Dollar. Dieser zu auffällige Stil erregte die Aufmerksamkeit des Blockchain-Detektivs ZachXBT, der die Adressen sorgfältig verfolgte und feststellte, dass die Gelder direkt aus staatlichen Krypto-Geldbörsen stammten, die mit der US-Regierung und beschlagnahmten Vermögenswerten der Börse Bitfinex in Verbindung standen.
Das Schlimmste für John war nicht, dass er das Geld genommen hatte – er wurde wegen seines Egos und seines Wunsches, vor Teenagern anzugeben, entlarvt. Er schickte dem Forscher sogar ein „Trinkgeld” in Höhe von 1.900 Dollar in Ether und verband sich damit endgültig mit dem Diebstahl.
Dieser Fall hatte weitreichende Folgen: Die US-Bundesbehörden leiteten eine Sicherheitsüberprüfung der staatlichen Vermögenswerte ein und untersuchen, wie dies überhaupt möglich war – aufgrund einer Systemschwachstelle oder durch einfachen Zugriff auf die privaten Schlüssel. John wurde festgenommen und seine Familie geriet ins Zentrum der Ermittlungen.
Auch wenn die Geschichte an einen Cyber-Thriller erinnert, zeigt sie doch eine einfache Sache: Großes, illegal erworbenes Vermögen bleibt selten unbemerkt, und der Wunsch, damit zu prahlen, führt immer zur Entlarvung und kann letztendlich die Freiheit kosten.