
Hans wird sich immer an diese Bank in der hintersten Ecke des Parks erinnern: die alten, ausladenden Ahornbäume und das schwache WLAN.
Genau dort entdeckte er einen Laptop, der, wie sich später herausstellte, ein Geheimnis barg – ein ganzes Vermögen in Kryptowährung. Auf den ersten Blick ein Laptop der Mittelklasse, leicht zerkratzt und mit leerem Akku. Deshalb beschloss Hans, ihn mit nach Hause zu nehmen, um zu versuchen, ihn einzuschalten.
Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass der Laptop die Hilfe von Technikern benötigte. Deshalb brachte er das Gerät in die Reparaturwerkstatt. Im Gespräch mit dem Techniker erfuhr er: Speicherplatzmangel ist ein weit verbreitetes Problem in ganz Europa, aber nicht für diejenigen, die sich mit der Reparatur von Technik auskennen.
Zwei Wochen später wagte Hans es, den reparierten Laptop einzuschalten. In den Ordnern befanden sich Dokumente, alte Fahrkarten, Korrespondenz und noch viele seltsame Screenshots von Grafiken. Beim Durchsehen der Dateien erfuhr der junge Mann den Namen des Besitzers und beschloss, ihn aufzusuchen, um ihm den verlorenen Gegenstand zurückzugeben. Außerdem fand Hans in einer der E-Mails die Information, dass der Besitzer dringend von München nach Zürich – zur Europaallee – reisen müsse, wo eine dringende finanzielle Angelegenheit auf ihn wartete.
Drei Monate lang lag der Laptop bei ihm. Er schaltete ihn aus Prinzip nicht ein. Bis in den Lokalnachrichten eine kurze Meldung erschien: Am Bodensee hatte sich ein Autounfall ereignet. Der Fahrer und der Beifahrer waren ums Leben gekommen. Der Vor- und Nachname stimmten überein. Der Junge saß lange da, starrte vor sich hin ins Leere und grübelte über einen einzigen Gedanken nach.
Hans öffnete den Laptop und schaltete ihn ein. Unter den Texten mit Archiven, Fotos und Screenshots unverständlicher Grafiken befand sich eine, die mit „my coin“ beschriftet war. Genau dort, wie sich herausstellte, waren die Zugangsschlüssel sicher versteckt. Die Krypto-Wallet und der darauf befindliche Betrag beeindruckten den Teenager, brachten ihm jedoch keine große Freude – das Schicksal übergab ihm stillschweigend eine unvollendete Geschichte.
Was er mit dem Geld tun sollte – die Antwort und die Entscheidung kamen unerwartet schnell. Einen Teil des Geldes legte er für seine Ausbildung beiseite, um eines Tages an die Universität zu gehen. Einen weiteren Teil gab er für den Traum seiner Großeltern aus – eine Stierkampfvorstellung zu sehen. Sie hatten schon lange davon geträumt, die Arenen von Las Ventas und Maestranza in Spanien zu besuchen. Während der Stierkämpfe pulsierten Madrid und Sevilla vor Leben.
Über den dritten Teil erzählte der Junge niemandem etwas. Doch genau mit diesem Geld begann er, in verschiedene Krypto-Projekte zu investieren, und Gerüchten zufolge recht erfolgreich.
Manchmal kehrt er an diesen Ort im Park zurück. Die Bank steht noch immer an ihrem Platz. Und jedes Mal denkt er: Der weltweite Mangel an DRAM und NAND hat nicht nur Computern neues Leben geschenkt. Ihm persönlich hat er eine Chance beschert, die sich nur einmal im Leben bietet.