
Sie lernten sich zufällig in Madrid kennen, zwischen den Regalen der alten Biblioteca Nacional de España, wo der „Buchstaub” und die Stille nach Wissen rochen, und gerieten in einen Streit über ein Buch. Später wurde beiden klar: Ihre erste Begegnung war kein Zufall – es war ein Geschenk des Schicksals. Ein halbes Jahr später stritten sie sich immer noch über Bücher, tranken morgens gemeinsam Kaffee und kehrten auf unterschiedlichen Wegen nach Hause zurück, aber mit dem gleichen Gefühl – als wäre etwas Wichtiges in ihrem Leben bereits geschehen.
Katherine ist eine große, wie man im Volksmund sagt, „dicke” Amerikanerin mit einem offenen Lächeln und einem Laptop unter dem Arm. Sie kam zum Studium an die beste private Hochschule des Landes, die IESE Business School an der Universität von Navarra. Oliver ist ein schlanker Norweger mittlerer Größe, der Biologie an der Autonomen Universität Madrid studierte.
Zwei Jahre voller Freundschaft, ruhiger Spaziergänge, lustiger Momente auf Video und langer Gespräche vergingen. Eines Tages mietete Oliver ein altes, aber überraschend schönes, renoviertes Haus in einer gemütlichen Gegend – dort, wo man lernen und ein Tagebuch über das biologische Leben der mediterranen Fauna führen konnte. Er lud Katherine ein, und sie sagte zu. Als die Frau ankam, begann es plötzlich aus Eimern zu regnen. Durchnässt bis auf die Haut, versteckten sie sich in der Küche.
Als Katherine sich im Raum umsah, bemerkte sie ein offenes Fach im Schrank. Zwischen vergilbten Zeitungen, leeren Dosen und Kartons lag eine Pizzaschachtel. Sie sah ein wenig anders aus. Auf dem Kartondeckel der Schachtel standen seltsame Marker-Inschriften, Reihen von Symbolen. Oliver winkte ab und ging Handtücher holen.
Als er zurückkam, deutete Katherine mit einer Geste darauf und sagte leise: Das sind keine zufälligen Kritzeleien, sondern das Passwort für eine Kryptowährungs-Wallet. Sie hatten keine Ahnung, ob diese Wallet überhaupt existierte. Aber als sie das Konto überprüften, erwartete sie ein wahrer Schatz. Die Pizzaschachtel mit der Aufschrift in blauem Filzstift enthielt 421 Bitcoins.
Sie beschlossen, die Geschichte dieses Kontos zu untersuchen, und „stöberten” ein wenig in der Geschichte dieses alten Hauses und erfuhren die Wahrheit: Einst hatte sich hier ein Verbrecher versteckt. Im Jahr 2015 kam er bei einer Schießerei mit Polizisten auf der anderen Seite der Insel ums Leben. Danach stand das Haus zehn Jahre lang verschlossen, still und von allen vergessen. Der Geldbeutel hatte also keinen Besitzer mehr.
Später heirateten Katherine und Oliver. Sie kauften dieses Haus und ließen die Schachtel als Erinnerung auf demselben Regal stehen.